Dienstag, 23. April 2013

Manapouri zum Milford Sound


Zurückgelegte Kilometer: 185

Te Wahipounamu oder South West New Zealand World Heritage Area ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Neuseelands, das sich über ein Zehntel der Landesfläche erstreckt, und im Südwesten der Südinsel liegt. Zu diesem riesigen Areal gehört auch der Fiordland National Park, der mit 12.500 qkm der größte Nationalpark in Neuseeland ist und vor dessen Toren wir heute aufgewacht sind. Hier liegen alle 14 Fjorde des Landes, die von 2700m hohen Bergen umgeben sind. Diese steile Berglandschaft wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit geformt, die mehr als 1000m dick die U-förmigen Täler in den Boden gruben. Nach dem Schmelzen des Eises drang das Meer in die tiefen Landeinschnitte ein. Und einen davon, den Milford Sound, wollen wir heute besichtigen.

Wir frühstücken wieder im Freien, da der Lake Manapouri uns mit schönem Wetter weckt. Erst im Hellen sehen wir die vielen Oldtimer auf dem Campinggelände und die rustikale Einrichtung in den Gemeinschaftsräumen. Was der Reiseführer als „old-fashioned“ bezeichnet, ist eine Anlage mit Charakter.


Von Manapouri fahren wir den kurzen Weg nach Te Anau und informiere uns im örtlichen i-SITE Visitor Centre, dem Informationsbüro für Touristen, über das heutige Wetter und die Ausflüge im Fjord. Das Wetter soll prima sein und wir buchen für nachher die „Nature Cruise“ auf dem Milford Sound, die etwa eine Stunde länger auf dem Wasser ist als die anderen Bootsausflüge und etwas weiter auf das Meer hinausfährt. Die Bootsfahrt kostet 95 $ pro Person. Um rechtzeitig am Anleger zu sein, müssen wir sofort losfahren.

Der Weg zum Milford Sound führt über die Milford Road, eine 120km lange Sightseeing-Straße, die über die Alpen in die „Sackgasse“ des Fjords führt. Vor Fahrtantritt muss das Auto vollgetankt werden, denn unterwegs gibt es (bis auf eine Notfalleinrichtung) keine Tankstellen mehr. Das heißt, man braucht Sprit für min. 240km. Die Milford Road führt zunächst am schönen Lake Te Anau entlang, durchquert dichte grüne Walder, um in ein beeindruckendes Tal inmitten unglaublicher Gebirgsformationen zu fahren. Obwohl sich die Straße zuweilen in Serpentinen windet und es Geschwindigkeitsbegrenzungen auf bis zu 15 km/h gibt, vergeht die Fahrt viel zu schnell. Die Aussicht aus dem Auto ist phänomenal. Man möchte am liebsten alle fünf Minuten anhalten und die Umgebung mit Fotos festhalten. Es ist sicherlich eine der landschaftlich beeindruckendsten Gegenden, durch die wir bisher gefahren sind.


Zu dem weltberühmten Dreiklang von Milford gehört neben Sound und Road auch noch der Milford Track. Aus den ehemaligen Trampelpfaden und Handelswegen für Jadesteine der Maori ist heute der begehrteste Landstreckenwanderweg der Welt geworden. Schon seit dem späten 19. Jahrhundert wird der Milford Track von Wanderern aus aller Welt begangen. Eine britische Autorin bezeichnete ihn schon vor 100 Jahren als „the finest walk of the world“. Um ihn zu begehen, muss man die notwendigen Buchungen schon Monate im Voraus erledigen, um dann in Ruhe in etwa 4 Tagen die 53,5 km zum Fjord durch diese beeindruckende Landschaft zurückzulegen. Wer nicht so lange wandern oder nicht so viel Geld ausgeben möchte, der kann auch einfach einen der vielen kostenlosen Walks und Tracks erkunden, die entlang der Milford Road eingerichtet wurden und ebenfalls durch das imposante Bergpanorama führen. Garniert wird das Ganze noch mit zahlreichen Aussichtspunkten und Fotostopps, die wie so alles hier in Neuseeland hervorragend ausgeschildert und erklärt sind.

Nach 85km erreichen wir die Wasserscheide „the Divide“, mit 532m über dem Meer den niedrigsten Pass über den Hauptkamm der Südalpen. Unser tapferer Van kraxelt wieder die Höhenmeter bis 900 hinauf, wir schauen staunend aus dem Fenster und sehen die über 2700m hohen Gipfel der Darran Mountains. Nach 101km taucht plötzlich eine unüberwindliche Felswand vor uns auf, durch die uns der kleine, einspurige (!), mit Ampeln und einer Steigung von 1:10 versehene und tropfende (!) 1270m lange Homer Tunnel führt. Wir tauchen aus der Dunkelheit auf und steile nach unten führende Serpentinen bringen uns über die letzten Kilometer endlich ans Ziel.

Wir sind rechtzeitig da und können in Ruhe den Milford Mariner betreten, das Boot, das uns in die atemberaubende Welt des Fjords und bis an die Mündung zur Tasman Sea bringt. 


Während das Wasser an der Schwelle des Fjords nur 80m tief ist, sinkt die Wassertiefe danach auf bis zu 300m. Rechts und links sehen wir steile Felswände in die Höhe steigen. Viele Gipfel sind in Wolken gehüllt. Der viele Regen sorgt dafür, dass an den weniger steilen Hängen dichtes Grün in Form eines temperierten Regenwalds wächst. 


An mehreren Stellen prasselt das Wasser in großen Fällen in den Fjord. Es ist eine Landschaft, die uns (vielleicht auch weil wir bislang noch keinen Fjord gesehen haben) staunend hinterlässt und die man eigentlich nicht auf Fotos festhalten kann. Der Besuch des Milford Sounds ist tatsächlich ein Highlight unserer Neuseelandrundreise.


Zurück am Ufer, bereiten wir den Rückweg vor. Wir werden heute Nacht den Nationalpark nicht verlassen, sondern in einem Campground der Naturschutzbehörde übernachten. Dafür fahren wir etwa 40km zurück zum Lake Gunn. Unterwegs halten wir am „Chasm Walk“, ein von einem Fluss abgeschliffener und skulpturenartiger Kamm. Der kurze „Walk“ dauert etwa 30 Minuten. 


Nach dem Chasm Walk halten wir am „Hollyford Valley Lookout“, der einen Blick auf eines der immergrünen Täler gewährt, die durch die Gletscher entstanden sind.

Unser Nachtlager schlagen wir dann in der Nähe des Lake Gunn auf. Der Campingplatz liegt auf einer Lichtung im Wald, die von den hohen Bergkämmen eingerahmt wird. Nur etwa zwei oder drei weitere Fahrzeuge stehen verstreut auf dem Gelände, auf dem es kein Strom und nur eine kleine Toilette gibt. Dafür haben aber unseren Gaskocher, mit dem wir ein Nudelgericht und Tee zubereiten können und genießen eine Stille, weitab von jeglicher Zivilisation.


Fazit Tag 111:

Neuseeland hat Fjorde.

Was haben wir heute gelernt? Neuseeland ist DOC. Das Department of Conservation ist die Superbehörde zum Schutz von Natur und verwaltet ein Drittel des Staatsgebiets. Dank gut ausgeschilderter Wege, Informationstafeln und Wanderbroschüren kann man die neuseeländische Flora und Fauna ohne Probleme auf eigene Faust erkunden.


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